

Warum du trotz Pausen erschöpft bleibst
Für Frauen, die sich und andere führen – und sich dabei selbst nicht verlieren wollen.
Du brauchst nicht noch eine Entspannungsübung. Du willst endlich verstehen, warum dein Stress immer wiederkehrt – obwohl du längst versuchst, etwas dagegen zu tun
Wenn selbst deine Auszeit zur nächsten Aufgabe wird
Es ist 19.42 Uhr. Dein Laptop ist endlich zugeklappt. Der Kalender war voll, drei Entscheidungen sind noch offen, und die Nachricht einer Mitarbeiterin blinkt auf deinem Handy. Du wolltest heute wirklich früher Schluss machen. Vielleicht noch Yoga. Vielleicht endlich einmal nur auf dem Sofa sitzen, ohne innerlich die Aufgaben von morgen zu sortieren.
Du raffst dich tatsächlich noch auf, zu Hause ein paar Übungen zu machen. Während du dich auf die Yogamatte stellst, geht die Besprechung in deinem Kopf weiter. Habe ich etwas übersehen? Was muss ich morgen unbedingt schaffen? Und warum bin ich schon wieder so gereizt?
Du machst so vieles richtig. Du bewegst dich, du versuchst Pausen einzubauen, du kennst Atemübungen. Trotzdem scheint die Erholung kaum bis zum nächsten Morgen zu reichen.
Hier liegt der entscheidende Unterschied: Entspannung kann dir helfen, akute Anspannung zu reduzieren. Aber sie verändert nicht automatisch die Muster, die dich jeden Tag erneut unter Druck setzen.
Was, wenn dein größter Stressfaktor nicht dein Terminkalender ist – sondern die unsichtbare Regel, nach der du ihn füllst? Genau dort beginnen die fünf Perspektivwechsel, die ich dir heute zeigen möchte.
1. Du brauchst nicht immer mehr Stressausgleich – du brauchst weniger unnötigen Stress
Yoga, Bewegung, Spaziergänge oder Meditation sind keineswegs überflüssig. Im Gegenteil, sie können wertvolle Ressourcen sein. Nur werden sie zur zusätzlichen Pflicht, wenn du sie zwischen zwei Meetings presst und danach genauso weitermachst wie bisher.
Stell dir einen Eimer vor, in den ständig Wasser läuft. Du schöpfst jeden Abend ein bisschen davon heraus. Das hilft zwar temporär. doch solange der Hahn voll aufgedreht bleibt, ist der Eimer morgen wieder randvoll.
Die wirksamere Frage lautet deshalb nicht nur: „Wie entspanne ich mich nach einem anstrengenden Tag?“, sondern auch: „An welchen Stellen erzeuge, akzeptiere oder verstärke ich Druck – und was davon kann sich verändern?“
Ein erster Schritt für deinen nächsten Arbeitstag
Notiere drei Situationen, in denen deine Anspannung besonders stark steigt. Markiere anschließend: Was kommt von außen – etwa Personalmangel oder unrealistische Anforderungen? Und wo kommt deine eigene Reaktion hinzu, etwa sofortiges Zusagen, perfektes Nacharbeiten oder ständige Erreichbarkeit? Beides ist real. Und nicht alles liegt allein in deiner Hand.
Doch selbst wenn du das erkennst, kann es passieren, dass du morgen wieder genau dasselbe tust. Warum?
2. Dein Autopilot ist schneller als dein guter Vorsatz
Du nimmst dir vor, häufiger Nein zu sagen. Dann steht eine Kollegin in deiner Tür: „Kannst du das noch schnell übernehmen?“ Und bevor du nachdenken kannst, hörst du dich antworten: „Ja, klar.“
Unter Druck greifen wir leichter auf vertraute Routinen zurück. Es zeigt, wie eingeübte Reaktionen funktionieren. Wenn du über Jahre diejenige warst, die rettet, übernimmt und alles im Blick behält, fühlt sich ein anderes Verhalten zunächst ungewohnt an.

Wissenschaftliche Quellen & Einordnung
Unbewusste Entscheidungen: Harvard Business School – Gerald Zaltman
Wiederkehrende Gedanken: PolicyViz Faktencheck Mythos oder Wahrheit?
Gewohnheiten und Routinen: Neal, Wood & Quinn – Studie (2006)
Deshalb genügt ein neuer Vorsatz oft nicht. Du brauchst einen konkreten Moment, in dem du dein Muster unterbrichst, sonst wirst du die Nächste sein, die „Erschöpft als Führungskraft.“ In die Google-Suche eingibst.
Die 10-Sekunden-Pause vor dem automatischen Ja
Wenn die nächste zusätzliche Bitte kommt, antworte nicht sofort. Atme einmal ruhig aus und sage: „Ich prüfe meine Prioritäten und gebe dir gleich Bescheid.“ Mit diesem einen Satz schaffst du Raum für eine bewusste Entscheidung.
Und jetzt wird es spannend – warum fällt es gerade leistungsstarken Frauen oft so schwer, diesen Raum überhaupt zu nutzen?
3. Hinter deinem Verhalten steckt häufig ein innerer Antreiber
Eine lange To-do-Liste ist nicht immer nur ein Organisationsproblem. Hinter ihr kann eine Überzeugung stecken wie „Ich muss alles alleine schaffen“, „Ich darf niemanden enttäuschen“ oder „Erst wenn alles perfekt ist, bin ich gut genug“.
Zwei Ebenen beeinflussen sich gegenseitig: Dein äußeres Verhalten – zum Beispiel Multitasking, Pausen auslassen oder kaum delegieren – und deine inneren Überzeugungen. Oft lohnt es sich, beide gemeinsam anzuschauen. Gleichzeitig dürfen strukturelle Probleme im Unternehmen dabei nicht ausgeblendet werden.
Drei Sätze, die deinen Druck sichtbar machen
Vervollständige spontan diese Satzanfänge: „Wenn ich Nein sage, dann …“; „Wenn mir ein Fehler passiert, dann …“; „Wenn ich Hilfe brauche, dann …“. Deine Antworten können Hinweise auf deine inneren Antreiber geben. Sie sind kein Urteil über dich – sondern ein Ausgangspunkt für Veränderung.
Besonders tückisch ist ein Antreiber, der nach außen wie eine große Stärke aussieht.
4. Dein Perfektionismus darf dich antreiben – aber nicht deinen Wert bestimmen
Du lieferst Qualität und du denkst voraus. Du siehst Details, die andere übersehen. Das ist eine echte Stärke. Problematisch wird dein hoher Anspruch, wenn ein kleiner Fehler tagelang in dir nachhallt oder du gute Ergebnisse nicht mehr genießen kannst.
Der entscheidende Unterschied liegt nicht allein in der Höhe deiner Ziele, sondern darin, wie du mit Fehlern und dir selbst umgehst. Unterstützt dich dein Anspruch beim Wachsen? Oder treibt dich vor allem die Angst, nicht zu genügen?
Vielleicht kennst du diesen Moment: Ein Projekt ist gelungen, die Geschäftsführung und dein Team sind zufrieden – und du denkst nur an den einen Punkt, der noch besser hätte sein können.
Ein Satz, der Leistung und Selbstwert trennt
„Ich darf hohe Ansprüche haben. Und ich bin auch dann wertvoll, wenn nicht alles gelingt.“ Beobachte, was sich verändert, wenn du einen Erfolg bewusst anerkennst, statt ihn sofort kleinzureden.
Doch selbst mit einem freundlicheren Blick auf deine Leistung bleibt eine weitere Falle: Du kümmerst dich um alle – und verschwindest dabei selbst aus deinem Blickfeld.
5. Selbstfürsorge ist kein Entweder-oder
Du willst eine gute Führungskraft sein. Du bist ansprechbar, verbindlich, menschlich. Aber wenn du jede Bitte vor deine eigenen Grenzen stellst, zahlst du irgendwann mit deiner Energie.
Viele Frauen fürchten, egoistisch zu wirken, sobald sie ihre Bedürfnisse ernst nehmen. Dabei gibt es mehr als zwei Möglichkeiten: nicht entweder die anderen oder ich – sondern die anderen und ich.
Das heißt nicht, dass du plötzlich niemandem mehr hilfst. Es heißt, dass deine Zeit, dein Körper und dein Leben bei Entscheidungen ebenfalls zählen.

Ein Satz, der Leistung und Selbstwert trennt
Ich verstehe, dass dir das wichtig ist. Heute kann ich es nicht zusätzlich übernehmen. Lass uns schauen, welche Priorität es hat.“ Wertschätzung und Klarheit schließen sich nicht aus.
Und trotzdem, wenn du seit Monaten oder Jahren erschöpft bist, lässt sich nicht alles mit einem guten Satz und einer neuen Gewohnheit lösen.
Was du tun kannst, wenn Erholung nicht mehr ausreicht
Achte auf wiederkehrende Signale
- Du wachst müde auf, obwohl du geschlafen hast
- Du reagierst schneller gereizt
- Deine Konzentration nimmt ab
- Du hast weniger Freude an Dingen, die dir früher wichtig waren
Solche Beschwerden können unterschiedliche Ursachen haben und verdienen Aufmerksamkeit.
Beginne mit drei kleinen Schritten
- nimm deine Erschöpfung ernst und lass anhaltende oder starke Beschwerden medizinisch abklären
- beobachte eine Woche lang deine typischen Stressauslöser und inneren Antreiber
verändere eine konkrete Alltagssituation – nicht gleich dein gesamtes Leben
Wenn Arbeitsbelastung, fehlende Ressourcen oder unklare Verantwortlichkeiten eine wesentliche Rolle spielen, braucht es außerdem Veränderungen im Arbeitsumfeld. Gesunde Führung ist keine reine Privatleistung.
Führung im Außen beginnt im Innen. Immer.
Vor über zehn Jahren habe ich selbst erlebt, wie es sich anfühlt, nur noch zu funktionieren. Heute begleite ich Frauen in Führung dabei, ihre Stressmuster zu verstehen, wieder Zugang zu ihrer Energie zu finden und erfolgreich zu führen, ohne sich selbst dabei zu verlieren.
Du musst nicht erst völlig erschöpft sein, bevor du genauer hinsiehst. Es ist immer genau jetzt ein guter Zeitpunkt, herauszufinden, wie es dir tatsächlich geht.
Dein nächster Schritt - kostenfreier Stiller Burnout Test 2.0
Mein kostenfreier Selbstreflexions-Test hilft dir, deine aktuelle Belastung bewusster wahrzunehmen – unter anderem bei Energie, mentalem Druck und innerer Verbundenheit. Er dauert etwa zwei bis drei Minuten, gibt dir eine erste Einschätzung und ist dabei keine medizinische Diagnose.
Du trägst viel Verantwortung. Dein eigenes Wohlbefinden ist dein Fundament.
Von Herzen 🧡, Claudia
